Josie geht mit — natürlich
Über die wichtigste Reisebegleiterin, eine Katze mit Geschirr und eine Entscheidung, die nie zur Debatte stand.
Es gibt Fragen, die sich gar nicht erst stellen. "Nimmst du Josie mit?" ist so eine. Natürlich nehme ich Josie mit. Sie ist nicht meine Katze — sie ist meine Mitbewohnerin, meine Reisebegleiterin, meine stille Unternehmensberaterin. Und sie hat in dieser Sache vermutlich schon längst entschieden.
Josie trägt Geschirr. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist es aber nicht. Eine Katze, die sich ein Geschirr gefallen lässt, ist eine Katze, die Vertrauen hat. Die mitkommt. Die sich auf Neues einlässt — auch wenn sie dabei vielleicht innerlich die Augen verdreht und denkt: "Na gut, wenn sie meint."
Was das praktisch bedeutet, habe ich mir natürlich schon überlegt. Für Reisen innerhalb der EU braucht Josie einen EU-Heimtierausweis mit aktuellem Impfschutz — vor allem gegen Tollwut. Das ist beim Tierarzt unkompliziert zu regeln und gehört zu den Dingen, die ich noch vor dem Oktober-Trip erledige, auch wenn Josie bei dieser Reise noch in Ahrensbök bleibt.
Der große Umzug — irgendwann im Frühjahr 2027, wenn alles klappt — wird dann Josies großes Abenteuer. Rund 2.800 Kilometer im Auto, durch Deutschland, Österreich, den Balkan, bis an die Südspitze des Peloponnes. Ich stelle mir vor, wie sie auf dem Beifahrersitz sitzt, aus dem Fenster schaut und die Landschaft an sich vorbeizieht — als wäre das die selbstverständlichste Sache der Welt.
Für sie ist es das wahrscheinlich auch.
Manchmal denke ich, Josie ist in dieser ganzen Geschichte die Ruhigste von uns beiden. Während ich plane, überlege, abwäge und manchmal nachts wach liege — schläft sie. Tief und fest. Als wolle sie sagen: "Mach dir keine Sorgen. Wir kommen an."
Vielleicht sollte ich öfter auf sie hören.
Im nächsten Teil erzähle ich von meiner ersten Reise nach Griechenland — dem Oktober-Trip. Was ich vorhabe, was ich mir erhoffe — und warum diese Reise für mich so viel mehr ist als nur ein Urlaub.
Warum der Peloponnes — und nicht eine Insel
Über bewusste Entscheidungen, innere Freiheit und eine Reise, die längst überfällig war.
Wenn Menschen hören, dass ich nach Griechenland auswandere, kommt fast immer dieselbe Frage: "Eine Insel, oder?" Kreta vielleicht. Korfu. Rhodos. Die Inseln sind das Griechenland, das die meisten kennen — blauer Himmel, weiße Häuser, Meer bis zum Horizont.
Aber mein Griechenland liegt auf dem Festland. Auf dem Peloponnes. Genauer gesagt im Raum Kalamata, im Süden dieser alten Halbinsel, die wie eine ausgestreckte Hand ins Mittelmeer ragt.
Warum nicht eine Insel? Das hat einen Grund — einen persönlichen, der tief in meiner Geschichte verwurzelt ist und den ich irgendwann in einem eigenen Beitrag erzählen werde. Heute sage ich nur so viel: Ich wollte bewusst kein Inselgefühl. Ich wollte Weite. Ich wollte das Gefühl, dass Wege offen sind.
Mykene liegt dort — eine der ältesten Stätten der europäischen Zivilisation, Heimat des sagenhaften Agamemnon. Olympia, wo die ersten Olympischen Spiele stattfanden. Sparta, das für eine Lebensweise stand, die so anders war als alles, was wir heute kennen. Und Mystras — eine byzantinische Geisterstadt, die sich an einen Berghang klammert und Jahrhunderte der Geschichte in sich trägt.
Kalamata selbst ist vielen bekannt — durch die gleichnamigen Oliven. Aber die Stadt ist mehr als das. Sie liegt eingebettet zwischen Bergen und Meer, hat eine lebendige Altstadt, Märkte, Menschen, die noch miteinander reden. Kein Massentourismus. Echtes Leben.
Im Oktober dieses Jahres werde ich zum ersten Mal dort sein. Eine Erkundungsreise — mit offenen Augen, offenen Ohren und einem Notizbuch. Ich werde Häuser anschauen, Gegenden erkunden, Menschen kennenlernen. Und ich werde spüren, ob das Gefühl, das mich schon so lange begleitet, sich bestätigt.
Ich bin ehrlich gesagt aufgeregt. Und ein bisschen nervös. Es ist meine erste wirkliche Reise seit vielen Jahren — und sie fühlt sich nicht wie ein Urlaub an. Sie fühlt sich an wie ein erster Schritt in ein neues Kapitel.
Im nächsten Teil nehme ich euch mit auf diese Reise — was ich mir erhoffe, was ich vorbereite, und was eine Katze namens Josie damit zu tun hat. 🐱
Menschen, die fragten — und damit die Welt veränderten
Was die alten Griechen mir persönlich bedeuten. Und warum ihre Weisheit heute aktueller ist denn je.
Stell dir vor: Kein Internet. Kein Buchdruck. Keine Universitäten. Keine Laboratorien. Und trotzdem sitzen Menschen zusammen, schauen in den Himmel, beobachten die Natur, streiten, denken — und kommen zu Erkenntnissen, über die wir heute noch staunen.
Das sind die alten Griechen. Und ich meine damit nicht das Griechenland der Tourismusprospekte. Ich meine das Griechenland von vor 2.500 Jahren. Eine Zivilisation, die in einer Zeit entstand, als große Teile der Welt noch im Dunkeln tappten — und die trotzdem Dinge hervorbrachte, die uns bis heute begleiten.
Demokratie. Das Wort kommt aus dem Griechischen: demos — das Volk, kratos — die Herrschaft. Die Idee, dass nicht ein einzelner Herrscher entscheidet, sondern die Gemeinschaft — das war revolutionär. Und es ist erschreckend aktuell, wenn man sich anschaut, wie fragil diese Idee mancherorts heute noch ist.
Hippokrates legte die Grundlagen der Medizin — nicht durch Magie oder Götterwillen, sondern durch Beobachtung. Durch das geduldige Hinschauen. Pythagoras entdeckte mathematische Gesetze, die heute noch in jedem Schulbuch stehen. Archimedes berechnete Dinge, für die wir Jahrhunderte später Maschinen brauchten.
Und dann sind da die Götter. Die griechische Mythologie ist für mich keine Märchensammlung. Sie ist ein Spiegel. Zeus mit seinem Zorn und seiner Größe. Athene mit ihrer Weisheit und Strategie. Aphrodite, die zeigt, wie Liebe alles auf den Kopf stellen kann. Hermes, der Wanderer zwischen den Welten. Diese Götter waren nicht perfekt — sie stritten, liebten, eiferten, irrten. Genau wie wir. Vielleicht wollten die Griechen damit sagen: Das Göttliche ist nicht fern. Es ist mitten unter uns. In uns.
Was mich persönlich am meisten bewegt, ist diese Grundhaltung: die Neugier. Die Bereitschaft zu fragen, ohne eine fertige Antwort zu erwarten. Sokrates sagte sinngemäß, er wisse nur, dass er nichts wisse — und gerade das machte ihn zum Weisesten seiner Zeit.
Ich glaube, wir brauchen diese Haltung heute mehr denn je. In einer Welt voller lauter Meinungen, schneller Urteile und einfacher Antworten. Vielleicht ist das der tiefere Grund, warum mich Griechenland ruft — nicht nur als Land, sondern als Erinnerung an etwas Wesentliches. An die Kunst des Fragens. An die Würde des Zweifels. An das stille Wissen, dass das Leben mehr ist als das, was wir sehen.
Im nächsten Teil erzähle ich vom Peloponnes — warum gerade diese Region, was mich daran fasziniert, und was ich mir von meiner ersten Reise dorthin im Herbst erhoffe.
Griechenland ruft — aber warum eigentlich?
Über ein Gefühl, das sich nicht erklären lässt. Und das man vielleicht auch gar nicht erklären muss.
Es gibt Momente, in denen man etwas spürt, bevor man es versteht. Kein klarer Gedanke, kein rationales Argument — einfach ein leises, aber beharrliches Ziehen. Als würde jemand sanft an einem Faden ziehen, der irgendwo tief in dir befestigt ist.
Für mich ist dieser Faden mit Griechenland verbunden. Genauer gesagt: mit dem Peloponnes. Mit einer Erde, die ich noch nie unter meinen Füßen gespürt habe — und die sich trotzdem irgendwie vertraut anfühlt.
Ich könnte dir jetzt praktische Gründe nennen. Das Klima. Die Lebenshaltungskosten. Die Natur. Und ja, all das spielt eine Rolle. Aber es wäre nicht die ganze Wahrheit.
Griechenland fasziniert mich schon lange — und zwar nicht wegen der Urlaubsfotos oder der weißen Häuser am Meer. Sondern wegen dem, was dort einmal war. Die alte Welt. Eine Zivilisation, die in einer Zeit, in der anderswo noch kaum jemand über das Morgen nachdachte, schon Demokratie erfand. Philosophie. Mathematik. Theater. Medizin. Die Olympischen Spiele.
Menschen, die den Kosmos beobachteten, Fragen stellten, diskutierten, stritten — und dabei versuchten, das Wesen des guten Lebens zu verstehen. Sokrates, der auf dem Marktplatz saß und einfach fragte. Die Götter des Olymp, die keine fernen, unnahbaren Wesen waren, sondern Spiegel menschlicher Urkräfte — Liebe, Mut, Weisheit, Zorn.
Ich frage mich manchmal: Was wäre, wenn wir heute nur einen Bruchteil dieser Neugier hätten? Dieser Bereitschaft, innezuhalten und zu fragen: Wer bin ich? Wozu bin ich hier? Was ist wirklich wichtig?
Vielleicht ist es genau das, was mich zieht. Nicht nur ein Land. Sondern eine Erinnerung daran, dass der Mensch schon immer nach dem Wesentlichen gesucht hat. Und dass dieser Weg — zurück zu sich selbst — manchmal durch fremde Länder führt.
Mein Weg führt nach Griechenland. In welcher Form genau, das weiß ich noch nicht vollständig. Aber der erste Schritt ist getan: Ich höre auf das Rufen.
Im nächsten Teil erzähle ich, was die alten Griechen mir persönlich bedeuten — und warum ich glaube, dass ihre Weisheit heute aktueller ist denn je.
